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Würfelzucker

Würfelzucker

Eine Erfindung, die den Alltag versüßte

Eine ganz süße Geschichte: Weil seine Frau sich beim Zucker-Brechen verletzt haben soll, erfand Jacob Christoph Rad, der vor 150 Jahren starb, den Würfelzucker.

Bis dahin konnte man Zucker nur in Form von Kegeln oder Kolben kaufen. Diese Zuckerhüte waren bis zu 1,50 Meter hoch und steinhart. Wer damit seinen Kaffee süßen wollte, benötigte Werkzeug: Hammer, Zange, Zuckerbrecher. Eine lästige und nicht ganz ungefährliche Plackerei!

Historisches Foto von Jacob Christoph Rad und seine Frau Juliane

Jacob Christoph Rad und seine Frau Juliane

Als sich Juliane Rad 1843 (vermutlich zum wiederholten Mal) beim Zuckerbrechen an der Hand verletzte, forderte sie – so wird erzählt – ihren Mann auf, endlich etwas zu unternehmen, um Zucker in eine nutzerfreundliche Form zu bringen. Jacob Christoph Rad (25.3.1799-13.10.1871) war genau der richtige Ansprechpartner, denn er leitete eine Zuckerfabrik im mährischen Datschitz (heute Dačice, Tschechische Republik).

Die Zuckerfabrik in Datschitz, die Jakob Christoph Rad leitete

Die Zuckerfabrik in Datschitz (Dačice), die Jakob Christoph Rad 1840-46 leitete

Der gelernte Drogist experimentierte mit einem Model, das heutigen Eiswürfel-Formen ähnelte und in das er angefeuchtete Zuckermasse füllte, diese presste und trocknen ließ. So fand Rad einen Weg zur Herstellung von Zucker in Würfelform. Dafür erhielt er am 23. Januar 1843 ein kaiserliches Privileg, also ein Patent. Als „Thee-Zucker“ oder „Wiener Würfelzucker“ kam das Produkt auf den Markt und wurde ein Erfolg – bis heute.

Das Verfahren zur Herstellung von Würfelzucker wurde seither immer wieder verbessert. Im Wesentlichen kommt bis heute eine Rotationsmaschine in Einsatz, wie sie Louis Chambon in den 1940er Jahren in Frankreich entwickelte und 1950 auch in Deutschland zum Patent anmeldete ( pdf-Datei DE814730B). Bis heute werden immer wieder verbesserte Verfahren zum Patent angemeldet, etwa 2011 von Peter Joseph Hendricks ( pdf-Datei EP2497838B1). Portionierte Zucker- bzw. Süßungsmitteleinheiten sind ebenfalls ein Gebiet, auf dem stets neue Schutzrechte angemeldet werden, z.B. "Zucker-Stab-Einheit" ( pdf-Datei DE202019103195U1) oder "Süßungskörper für Getränke" ( pdf-Datei DE202015001303U1).

In den letzten Jahren ist der Würfelzucker – den es längst auch in anderen Formen wie Herzen oder Kleeblättern gibt – im Vergleich zum Streuzuckertütchen etwas aus der Mode gekommen. Aber er bleibt eine feste Größe in unserer Alltagsernährung – etwa, wenn man sich den Zuckergehalt von bestimmten Nahrungsmitteln veranschaulichen will: Eine Flasche Ketchup enthält im Schnitt 46 Würfel Zucker, eine Packung Vollkorn-Müsli 45, ein Liter Cola 31. In einer Dose Ananas verstecken sich etwa 30 Würfel, in einer Fruchtbuttermilch rund 21.

Ein Zuckerwürfel hat übrigens etwa 12 kcal/50 kJ, wiegt 3 Gramm und ist mit den Kantenlängen 16/16/11 Millimeter eigentlich kein Würfel, sondern ein Quader.

Text: Dr. Jan Björn Potthast, Bilder: iStock.com/paolofur, via Wikimedia Commons, via austria-forum.org

Stand: 26.11.2021